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Anfangs dieser Woche war zu vernehmen, dass die SP-Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel im Parlament einen Vorstoss bezüglich der sprachlichen Frühförderung von fremdsprachigen Kindern eingereicht hat. Ein Bericht soll Möglichkeiten aufzeigen, wie die frühe sprachliche Förderung von fremdsprachigen Kindern umgesetzt werden kann. Weil solche Angebote heute teilweise nicht existieren, entstehen Defizite. Diese müssen verhindert werden.

Schneider Schüttel greift ein Thema auf, welchem schon längere Zeit grössere Bedeutung beigemessen werden sollte. Bestehende Projekte zeigen den Erfolg dieser frühen Förderung. In Basel-Stadt ist seit 2013 gesetzlich verankert: Kinder, welche zu Hause keine Möglichkeit haben die lokale Sprache zu lernen, sollen spätestens im Jahr vor dem Kindergarteneintritt in einer ausserfamiliären Institution an zwei Halbtagen mit dem Deutschlernen beginnen müssen. Somit erwerben die Kinder bereits vor dem Kindergarteneintritt die wichtigsten Grundlagen der deutschen Sprache und können dem schulischen Unterricht später leichter folgen. Es wäre von grosser Bedeutung, wenn die Vorschulinstitutionen aktiv in die Prozesse der Volksschule miteinbezogen werden könnten und dies eben auch auf nationaler Ebene geregelt würde. Die Stärkung der Integration von fremdsprachigen Familien mit Kindern bereits vor Eintritt in den Kindergarten, wäre ein enorm wichtiger Baustein zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit und eine kluge Investition in die Zukunft!

Die Position der Frühförderung und somit auch der Anschlussinstitution, dem Kindergarten, in der heutigen Schullandschaft hat sich in den letzten Jahren stetig verändert. Der Kindergarten ist heute erste Schulstufe. Die Dauer des Unterrichts orientiert sich an der Unterstufe und die Ziele sind dieselben, wie auch am Ende der zweiten Klasse. Vor diesem Hintergrund wird klar: Kinder, welche keine oder nur wenige Deutschkenntnisse besitzen, starten mit einem grossen Chancendefizit in ihre schulische Karriere. Sie beginnen mit einem Rückstand, den nur Wenige in den ersten zwei Jahren der Primarstufe aufholen können. Die frühe Förderung ist somit ein wichtiger Grundstein, damit die notwendigen Grundlagen auf sozialer, emotionaler und intellektueller Ebene erworben werden können. Projekte wie sie in Basel-Stadt bereits durchgeführt werden, sollten allen betroffenen Kindern unabhängig von ihrem Wohnkanton zugänglich gemacht werden.
Durch den Bund sollen Anreize geschaffen werden, damit im Einklang mit der Gemeinde- und Kantonsautonomie, ein echter Mehrwert für geplante Projekte entstehen kann. Eine Steuerung in diesem Bereich ist wichtig. So gibt es z.B. in Baselland keine Stelle, welche alle betroffenen Familien erreicht und so die Zugänge zu den Angeboten der sprachlichen Frühförderung eröffnet. Dies ist erst ab Schuleintritt (Kindergarten= erste Schulstufe) möglich. Es geht um ein aktives Engagement, es geht um die Regelung von Zugang, Umfang und Qualität dieser Angebote. Die finanziellen Argumente, welche im Bereich Bildung vor allem von politisch rechter Seite sehr schnell ins Feld geführt werden, sind in diesem Fall nicht schlagend. Es ist abzusehen, dass diese Kosten sich längerfristig wieder verringern werden, da für die betroffenen Kinder in der Schule entsprechend weniger Deutschunterricht benötigt wird. Sparen in der Bildung ist nicht nachhaltig ist und rächt sich mit Folgekosten!
Die Vielfalt in der Gesellschaft stellt heute neue Anforderungen an das Bildungssystem. Die sprachlichen Frühförderungsprojekte sind zwar ehrgeizig, aber durchaus erfolgversprechend. Sie werden in Zukunft weiter an Bedeutung zunehmen. Die flächendeckende Einführung sprachlicher Frühförderung wäre eine mögliche Antwort, um der Chancenungleichheit in der heutigen Gesellschaft entgegen zu wirken. Ich hoffe sehr, dass die angesprochenen Gedanken und Projekte auf Bundesebene Anklang finden und auch im Kanton Baselland eine Zukunft haben. Jedes Kind sollte unabhängig von seiner Herkunft und mit grösstmöglicher Chancengerechtigkeit seinen Weg durch unsere Schullandschaft gehen können!

Miriam Locher, Kindergartenlehrperson, Landrätin der SP, Mitglied der Bildungs-, Kultur-, und Sportkommission

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